Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

A11 — Verteidigung gegen Gegenvorwürfe

Die Argumente dieses Kapitels sind für die Jesus- und Trinitätsfrage nicht einschlägig — aber sie kommen in fast jedem Gespräch vor und blockieren es, wenn man sie nicht sauber beantworten kann.

Die zwei Grundregeln vorweg:

ARG-DISTINGUISH-MUSLIM-FROM-ISLAM ●●●#

"Du musst unterscheiden zwischen Muslim und Islam. Wenn der Muslim Alkohol trinkt, heißt das nicht, dass das der Islam ist." → Die Wiki verlangt, diese Regel symmetrisch anzuwenden: Wer sich darauf beruft, darf umgekehrt Christen nicht mit dem Verhalten von Christen widerlegen. Die Kreuzzüge widerlegen die Bergpredigt nicht. → Video 82 [02:20]

ARG-CONSEQUENCES-ARE-NO-PROOF ●●●#

Eine gemeinsame Einsicht beider Seiten:

Atheist: "Die Tat von Menschen, die eine Anschauung verfolgen und dafür Gewalt anwenden, ist nicht unbedingt ein Indiz dafür, ob sie in der Wahrheit sind." Da'i: "Ganz genau. Und ich sage: Die Anwendung der Religion ist in keiner Weise ein Indiz dafür, dass Gott existiert." → Diese Regel sollte jedes Gespräch dieser Art rahmen. Sie entwertet zugleich den Terrorismus-Vorwurf und die apologetische Gegenrechnung mit den Opferzahlen des Atheismus. → Video 57 [01:47]


1. "Der Islam ist gewalttätig"#

ARG-SWORD-VERSE-CONTEXT — Der halbierte Vers ●●●#

Das beste Argument des Korpus zu diesem Thema:

"Und tötet sie, wo auch immer ihr sie trefft, UND VERTREIBT SIE, VON WO SIE EUCH VERTRIEBEN HABEN" (Sure 2,191).

"Wenn Leute diese Verse rezitieren, rezitieren sie in aller Regel nicht mal diesen Vers zu Ende. Der Vers wird gerne in der Mitte durchgeschnitten. ALLEIN DARAN ERKENNT MAN: es geht um Verfolgung."

Und der direkt folgende Vers (2,192): "Wenn sie aber ablassen, so ist die Vergebung am besten."

Der historische Kontext: 13 Jahre Verfolgung in Mekka → Hidschra nach Medina → Tötung und Vertreibung von Muslimen. "In diesem Kontext macht der Vers Sinn: lasst euch das nicht gefallen, wehrt euch." Auch Sure at-Tauba (Sure 9) stehe ganz im Kriegskontext. Der atheistische Gesprächspartner: "Ja, das macht Sinn." → Video 06 [13:02]

ARG-NOT-PACIFIST — Die ehrliche Selbstauskunft ●●●#

"Man muss eines wissen: Der Islam ist keine pazifistische Religion. Bei uns ist es nicht so, dass man die andere Wange hinhält, wenn die eine schon demoliert ist. Der Islam ist da, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Im Islam ist eine bestimmte gerechtfertigte Gewalt erlaubt — keine Selbstjustiz." Sein Beispiel: "Dass die Alliierten Nazi-Deutschland angegriffen und das Leid beendet haben — das ist für mich eine gerechtfertigte Gewalt." → Diese Ehrlichkeit ist mehr wert als jede Beschönigung. → Video 41 [11:05]

ARG-RULES-OF-WAR ●●●#

"Im Islam ist absolut verboten, in Kriegsfällen Kinder oder allgemein Nicht-Kombattanten zu töten. Das ist in den Hadithen niedergeschrieben." → Video 16 [26:24]

ARG-EVERY-PROPHET-FOUGHT + die biblischen Gegenstellen ●●○#

"Muhammad war ein Kämpfer. Jeder Prophet ist ein Kämpfer." Die angeführten Stellen: | Stelle | Wortlaut | |---|---| | Lk 19,27 | "Doch jene meine Feinde … bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder" | | Mt 10,34 | "Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert" | | Offb 19,13 | das blutgetränkte Gewand |

Die rhetorische Pointe: "Dann verkauf mir nicht Jesus als 'alles Liebe'. Ich liebe Jesus — und verkauft mir nicht Muhammad als Monster."

Und die historische Erklärung: "Moses hatte Macht. Jesus hatte keine Macht — er lebte unter den Römern. Deswegen findet man: 'Was dem Kaiser gehört, gebt dem Kaiser'; 'Wer dich auf die eine Wange schlägt …' — das ist die Situation eines Machtlosen."

Nicht verwenden: Lk 22,36 ("kaufe ein Schwert") als Jihad-Vorbereitung. Exegetisch nicht haltbar; wird zu Recht mit Mt 26,52 ("Steck dein Schwert weg") und Joh 18,36 ("Mein Reich ist nicht von dieser Welt") gekontert. → Video 70 [00:38] · Video 72 [01:04] · Schwache Argumente — nicht verwenden

ARG-WAR-STATISTICS ●○○#

"In der Encyclopedia of Wars waren die meisten Kriege keine Religionskriege. Die meisten Todeszahlen wurden durch atheistische Diktatoren verursacht: Pol Pot, Stalin." Und die methodisch redliche Selbstbeschränkung, die dazugehört: "Aber das sollte auch nicht der Maßstab sein, wie wir das Gespräch begründen. Es gab den Dreißigjährigen Krieg zwischen Protestanten und Katholiken — und auch wir Muslime haben in der Vergangenheit Dinge getan, die nicht gerechtfertigt waren. Das sollte nicht der Maßstab für die Wahrheit sein." ⚑ Die Zahlen (ca. 7 % religiös motivierte Kriege; 120 Millionen Opfer) haben erhebliche Streubreite und sind methodisch umstritten. Nur mit Quelle und Bandbreite verwenden.Nicht verwenden: die Behauptung, Stalin habe seine Morde mit Darwins Descent of Man begründet — historisch nicht belegt, zirkuliert in kreationistischer Literatur. → Video 46 [00:28] · Video 41 [05:51] · Schwache Argumente — nicht verwenden

ARG-GROUPS-DONT-DEFINE-RELIGION ●●●#

"Das ist Selbstmord — das ist verboten. Wir sind gegen Selbstmordattentate." "Die Kreuzritter waren auch eine große Gruppe — Millionen sind marschiert und haben geschlachtet." ⚑ Die berechtigte Forderung des Gegenübers, die im Korpus stehen bleibt: "Die Leute in der Muslim-Gemeinde müssen sehr, sehr laut sprechen — am Freitag und im Radio — dass diese Leute vom Teufel übernommen sind." Der Da'i bestreitet nicht die Forderung, sondern die Prämisse, dass es nicht geschehe. → Video 72 [02:30]

ARG-MEDIA-SELECTION ●●○#

"Ich höre Arabisch, ich schaue jeden Tag Fernsehen — jeden Tag genau dieses Thema [Verurteilung des Terrors]. Aber sie übersetzen es euch nicht." → Video 72 [04:50]

ARG-NOT-FROM-NEWSPAPERS ●●●#

"Was hat das, was in den Zeitungen steht, mit der Religion zu tun? Wir haben ein Buch. Du bildest dir deine theologische Meinung aufgrund einer Zeitung, aufgrund eines TV-Beitrags." → Video 55 [08:10]

ARG-AM-I-DANGEROUS ●●●#

Die Prüfung einer abstrakten Behauptung an der konkreten Gesprächssituation:

"Inwiefern bin ich gefährlich für Sie? Fühlen Sie sich bedroht gerade?" Und die Variante nach einem berichteten Messer-Vorfall (Video 25 [05:10]): "Haben Sie das Gefühl in unserem Gespräch auch jetzt?" — "Nee." — "Das heißt, wir können nicht pauschalisieren." → Der Vorfall wird nicht bestritten, aber die Verallgemeinerung — durch das laufende Gespräch selbst — widerlegt. → Video 58 [00:18] · Video 25 [05:10]


2. "Allah ist ein Mondgott"#

ARG-MOON-GOD-REFUTED ●●●#

Die Antwort ist gut, weil sie den historischen Befund nicht leugnet, sondern einordnet:

"Das stimmt: Viele haben den Mond angebetet und den Gott 'Allah' genannt. Aber Allah IST kein Mondgott. Die Ṣābiʾa hatten früher das richtige Konzept von Gott — dann haben sie angefangen, den Mond anzubeten." → Die Struktur ist die Taḥrīf-Logik, auf die eigene Vorgeschichte angewandt: Ursprünglicher Monotheismus → Verfälschung durch Gestirnkult → Wiederherstellung.

ARG-ALLAH-IN-ARAMAIC ●●●#

"Jesus hat Aramäisch gesprochen — auf Aramäisch [heißt Gott] Alāhā." (Sachlich korrekt: aramäisch ʾAlāhā, hebräisch Eloah/Elohim, arabisch Allāh gehen auf dieselbe semitische Wurzel zurück. Arabischsprachige Christen nennen Gott bis heute "Allah".)

ARG-CORRUPTION-BY-STAR-CULT — Die europäische Parallele ●●●#

Der eingängigste Teil, funktioniert ohne Fachwissen:

"Früher haben sie hier in Europa auch die Sonne angebetet — Sonntag. Warum heißt es Sonntag? Und Montag: Mond-Tag." → Namen aus Gestirnkulten sind in jeder Kultur erhalten geblieben — das sagt nichts über den Gottesbegriff der jeweiligen Religion aus. → Video 68 [00:14]–[01:34]


3. "Ihr begeht doch selbst Schirk"#

Der einzige Abschnitt des Korpus, in dem der Muslim durchgehend in der Verteidigung ist (Video 64).

ARG-SHAHADA-IS-NOT-SHIRK ●●●#

Vorwurf: "Ihr sagt Gott und Muhammad in einem Satz."

"Es gibt nur Gott — Allah, nur Allah. Und Muhammad ist ein Prophet. Wir haben nicht wie die Christen aus Jesus einen Gott gemacht. Das ist eine Ermahnung, keine Beigesellung." Die Begründung, warum beide Namen zusammenstehen: "weil Muhammad die Botschaft von Gott verkündet."

ARG-GREETING-IS-NOT-WORSHIP ●●●#

Vorwurf: Im Gebet grüßen Muslime die Engel — das sei Schirk.

"Ich bete keine Engel an. Das ist eine Begrüßung. Begrüßen und Anbeten ist nicht dasselbe." Die wirksamste Antwort — die Rückfrage nach der Quelle: "Hast du je von einem Muslim gehört — von einem Gelehrten — dass wir Engel anbeten?" Der Missionar muss verneinen. (Gemeint ist der Taschahhud, der Friedensgruß am Ende des rituellen Gebets.)

ARG-RUH-AL-QUDUS ●○○#

Vorwurf: Wenn Gabriel Rūḥ al-Qudus heißt und nur Gott heilig ist, werde Gabriel Gott gleichgestellt.

"Die Engel sind heilig [im Sinne von: sie machen keine Fehler]. Nur Allah [ist heilig aus sich selbst]." ⚠ Die Antwort ist unscharf. Die saubere Fassung: al-Quddūs ist ein Gottesname; rūḥ al-qudus als Bezeichnung Gabriels bedeutet "der geheiligte Geist" (passiv, von Gott geheiligt), nicht "der Heilige aus sich". → Video 64 [06:21]

ARG-KAABA-IS-DIRECTION ●●●#

"Das ist Gottes Haus. Das beten wir nicht an, wie einige fälschlich behaupten, sondern das ist die GEBETSRICHTUNG, die Gott bestimmt hat." "Wir beten nicht die Kaaba an. Du betest Jesus an." → Video 09 [08:21] · Video 30 [02:13]

ARG-MUHAMMAD-IS-NOT-GOD ●●●#

"Ist Muhammad dann der Gott?" — "Nein. Wir würden niemals einen Menschen als Gott bezeichnen. Das ist das Schlimmste, was man machen kann — Blasphemie." Und die direkte Anwendung: "Und genau das ist es, was wir am Christentum kritisieren. Wir glauben, dass die Stellung, die Christen Jesus zusprechen, Blasphemie ist." → Video 09 [07:30]

ARG-DO-NOT-EXALT-ME ●●●#

A9 — Koran, Prophetenbeweis und Offenbarung. Das stärkste Symmetrie-Argument — beantwortet den Vorwurf präventiv aus der eigenen Tradition.


4. "Ihr seid rückständig"#

ARG-WHY-PRIVATE-MATTER ●●○#

"Warum soll [Religion] Privatsache sein? Wieso muss ich mich einer Staatsreligion unterwerfen — wenn ich davon überzeugt bin?" → Die Privatisierung der Religion ist selbst eine weltanschauliche Setzung, keine Neutralität. → Video 58 [01:35]

ARG-WOMENS-RIGHTS-TIMELINE ●●○#

"Vor 1400 Jahren sind der Frau Rechte gegeben worden, die Frauen in der westlichen Kultur bis vor Kurzem nicht besaßen. Sie durften bis ins 20. Jahrhundert nicht einmal wählen." (Historisch korrekt: Frauenwahlrecht Österreich 1918, Frankreich 1944, Schweiz 1971.)Nicht verwenden: die Behauptung, eine Synode (meist "Mâcon 585") habe der Frau die Seele abgesprochen. Das ist eine historische Legende, sie geht auf ein Missverständnis bei Gregor von Tours zurück (es ging um die grammatische Frage, ob homo auch Frauen einschließt). → Video 58 [04:12] · Schwache Argumente — nicht verwenden

ARG-HISTORICAL-IMPROVEMENT-FOR-WOMEN ●●○#

"Zur Zeit des Propheten haben die Leute Mädchen lebendig begraben. Frauen waren Sklaven, sie hatten keine Rechte. Dann kam Muhammad — und die Frau hat Rechte." (Sure 81,8-9: "und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, wegen welcher Schuld es getötet wurde".)Wichtig: Der Maßstab ist hier der vorherige Zustand, nicht die Gegenwart. Das muss transparent gemacht werden. → Video 82 [03:12]

ARG-I-AM-A-CONVERT ●●●#

"Ich bin 18 Jahre alt und konvertiert. Von mir geht überhaupt keine Gefahr aus — als Österreicher." "Geht von Bosnien eine Gefahr aus? Das Land ist mehrheitlich muslimisch — und mitten in Europa." → Video 58 [05:21]

ARG-CHRISTIANS-IN-SAUDI #

"In Saudi-Arabien leben [Millionen] Christen. Warum leben sie dort, wenn sie unterdrückt werden?" ⚠ Zweischneidig und nicht verwendbar: Sie leben dort als Arbeitsmigranten ohne das Recht auf öffentliche Religionsausübung — was der Korpus an anderer Stelle selbst offen einräumt (Video 17). → Schwache Argumente — nicht verwenden


5. Die Frauenfrage#

ARG-OBJECTIFICATION-VS-COMMODIFICATION ●●○#

Begrifflich wertvoll, weil es die Debatte vom "Kopftuch ja/nein" auf das Menschenbild verschiebt:

"Es gibt die Objektivierung: Die Frau wird nicht als Subjekt angesehen, sondern als Objekt. Und dann gibt es eine höhere, verwerflichere Form: die Kommodifizierung. Vom lateinischen commodum — Ware. Sie ist nicht nur Objekt, sondern Ware — dass man Frauen kaufen kann." → Video 56 [01:46]

ARG-SUV-TEST ●●●#

"Ein Geländewagen wird in Saudi-Arabien verkauft — und einer in New York. Da werden Frauen im engen Bikini gezeigt, um das Auto zu verkaufen." — "Aber es funktioniert." "Es funktioniert auch in Saudi-Arabien — dort werden auch Geländewagen verkauft. Warum muss man eine nackte Frau nehmen, um Geländewagen zu verkaufen?" → Ein empirisch prüfbares Gegenbeispiel: Wenn dieselbe Ware ohne sexualisierte Werbung verkäuflich ist, ist die Sexualisierung nicht notwendig, sondern eine kulturelle Entscheidung. ⚑ Der Vergleich ist einseitig: verglichen wird die westliche Praxis mit einer islamischen Norm. → Video 56 [06:41]

ARG-GO-TO-THE-SOURCE ●●●#

Methodisch vorbildlich:

"Ich als Mann wäre der Falsche, dir zu erklären, dass die Frau im Islam Rechte hat. Sprich eine Muslima mit Bedeckung auf der Straße an und frage sie, ob sie sich unterdrückt fühlt." "Geh direkt zur Quelle. Und wenn eine muslimische Schwester das negiert — dann sprich mit einer anderen. Nicht: eine Person hat das gesagt, also sind alle so. Das wäre ein Stammtisch-Argument." → Video 41 [18:30]

ARG-COVERING-IS-A-DUTY-NOT-A-CONDITION ●●●#

Sehr differenziert:

"Ihre Kopfbedeckung ist kein Grund, dass sie nicht ins Paradies kommt. Das ist eine Verpflichtung — genauso wie der Mann verpflichtet ist, seine ʿAura zu bedecken." "Wenn eine Schwester das nicht tut, weil sie Angst hat, angegriffen zu werden wegen der Islamfeindlichkeit — dann ist das traurig. Aber wenn sie wahrhaftig glaubt, dann ist das Tor ins Paradies noch immer gegeben." "Jeder Mensch macht Sünden — denkst du, dass ich keine mache? Gott möchte, dass wir Reue zeigen, weil er genau weiß, dass wir schwach sind." → Video 41 [21:03]

ARG-POLYGAMY-TU-QUOQUE ●○○#

Auf den Vorwurf, der Koran erlaube vier Frauen, Muhammad habe aber neun gehabt: 1. "Es war alles von Gott offenbart" (Sure 33,50: Sonderregelung für den Propheten) 2. Tu quoque: "Salomo hatte 700 Frauen und 300 Nebenfrauen. Abraham hatte drei Frauen." 3. Zweck: "Um die Stämme zusammenzuhalten — Ṣafiyya aus einem Stamm, ʿĀʾischa aus einem Stamm, Fāṭima aus einem Stamm."

Der Missionar formuliert dabei den eigentlichen Dissens präziser als der Korpus:

"Wir würden nicht glauben, dass Gott für Jesus mehr Spielraum gegeben hat, sondern dass wir als Christen genauso heilig leben können wie Jesus. Das ist der Unterschied: Ihr sagt, Muhammad ist irgendwo auf einer Stufe [über uns]." → Prophetenvorbild als erreichbare Norm (christlich) vs. Prophet als Sonderfall mit Sonderregelungen (islamisch). Für die Wiki wertvoll — als Zitat der Gegenseite aufbewahren.Video 69 [01:31]

ARG-AGE-NO-FIXED-LIMIT ●●○#

Die sachliche Fassung zur ʿĀʾischa-Frage:

"Der Islam nennt kein festes Alter, sondern Reife (Pubertät) — weil der Islam für alle Zeiten gelten soll." "Zwangsehe ist islamrechtlich eine Sünde, und der ganze Ehevertrag ist NICHTIG, weil er unter Druck entstanden ist." Anachronismus-Einwand: "Man nimmt ein heutiges Eheverständnis und wendet es auf die Zeit vor 1400 Jahren an. Wenn wir zu den Urgroßeltern gehen, ist es gar nicht unüblich, dass mit 14, 15 geheiratet wurde." Und die klare Differenzierung: "In der heutigen Zeit würde ich dir völlig zustimmen wegen der gesellschaftlichen Umstände. In der damaligen Zeit nicht." ⚑ Der Atheist bleibt skeptisch — kein Konsens erreicht.Die Tu-quoque-Fassung aus Video 69 ("Maria war mit 12 verlobt") beantwortet die moralische Frage nicht, sondern zeigt nur, dass sie auch die Gegenseite trifft. Für einen Suchenden kein Erkenntnisgewinn.Video 06 [16:04]


6. Homosexualität#

ARG-NORM-WITHOUT-CONDEMNATION ●●●#

Bemerkenswert für den sachlichen, nicht verurteilenden Ton:

"Es gibt definitiv homosexuelle Muslime — ich weiß das genau. Es gibt vielleicht Tausende oder Hunderttausende. Ich habe früher in der Politik gearbeitet, wo ich sehr viele homosexuelle Menschen kennengelernt habe, unter anderem auch Muslime." "Was ich dir sagen kann: Der AKT an sich ist nach dem islamischen Narrativ hundertprozentig nicht gestattet." → Die Person wird nicht abgesprochen, nur die Handlung normiert. Keine Strafforderung, kein Ausschluss aus der Glaubensgemeinschaft. → Video 60 [01:06]

ARG-DIFFICULT-IS-NOT-DISQUALIFYING ●○○#

Die Führerschein-Analogie: Auch beim Führerschein gibt es Teile, die schwer sind — das hindert niemanden daran, ihn zu machen.

Der Gegenzug des Gesprächspartners ist besser und bleibt unbeantwortet:

"Das ist etwas völlig anderes: ob etwas SCHWER ist oder ob es etwas ist, das ich ABLEHNE. Es gibt Parteien, die Sachen vertreten, die ich okay finde — aber dieselben Parteien sagen Sachen, die furchtbar sind. Und deswegen vertrete ich sie nicht als Ganzes." → Die Analogie unterscheidet nicht zwischen schwierig und moralisch abgelehnt.Video 60 [01:58] · Offene Baustellen

Was im Korpus fehlt: Rechtsfolgen, Seelsorge, Umgang in der Gemeinde. Für ein Nachschlagewerk eine Lücke.


7. "Braucht der Islam eine Reformation?"#

⚑ ARG-REFORMATION-OBJECTION — der wichtigste unbeantwortete Einwand#

Der Deist formuliert ihn präzise:

"Ist nicht die Gefahr, dass [der Koran] aus einer anderen Zeit ist und Dinge drinstehen, die damals sinnvoll waren, die die Leute aber falsch ausgelegt haben? Fehlt im Islam nicht ein bisschen das, was in Europa mit der Reformation passiert ist — dass es Aufrührer gibt, die versuchen, es zu erneuern? Weil gerade dadurch ist es leichter für Radikale, das aufzugreifen."

Der Da'i wechselt zur Gottesfrage. Der Einwand bleibt stehen.

Die teilweise Antwort, die er gibt, ist immerhin präzise (Video 76 [03:13]):

"Natürlich kann man es uminterpretieren, missinterpretieren … aber es ist kein Buch, in das wir hineinschreiben und die Schrift verändern dürfen." → Saubere Unterscheidung: Textbewahrung (behauptet) ≠ Auslegungssicherheit (nicht behauptet). Aber der Einwand zielte auf die Auslegung. → Offene Baustellen

⚑ ARG-FUNCTIONALIST-OBJECTION — ebenfalls unbeantwortet#

"Entweder Gott hat uns die Bedienungsanleitung gegeben — oder es war soziologisch gesehen der beste Weg, wie man ein Volk vereinen konnte. Weil wenn man eine gemeinsame Religion hat, gemeinsame Festtage, dann hat man ein homogeneres Denken. Da bin ich im Zwiespalt." → Die funktionalistische Religionserklärung (Durkheim) in Alltagssprache. Gehört, nicht widerlegt.Video 76 [06:18]


8. Die Grenze des Gesprächs#

ARG-INSULTING-THE-PROPHET ●●●#

Bemerkenswert, weil keine Forderung nach Strafe oder Gewalt folgt:

"Ich fühle mich nicht angegriffen. Du bist jemand, mit dem wir einen Diskurs führen — das ist etwas ganz anderes, als wenn du den Propheten beleidigen würdest." "Möchten Sie, dass Ihre Mutter beleidigt wird?" "Wir lieben den Propheten mehr als unsere Eltern. Der Prophet hat uns durch die Offenbarung die Botschaft fürs Paradies gegeben. Das hat meine Mutter nicht gemacht." → Video 55 [08:36]

ARG-BRING-EVIDENCE-NOT-INSINUATION ●●●#

"Wenn Sie mit etwas kommen, wovon Sie überzeugt sind — natürlich. Aber Sie stellen mir Sachen dar, die gar nicht stimmen. Wir sind aufnahmefähig, wir hören zu — aber Sie kommen nur mit Unterstellungen." Und die Grundsatzforderung (Video 16): "Alles, was ich argumentiert habe, habe ich mit der Bibel begründet. Zeig mir den Textbeleg." → Video 58 [06:22]

⚠ Das Negativbeispiel: die Eskalation#

In Video 16 eskaliert das Gespräch, als der Christ die ʿĀʾischa-Polemik einbringt. Beide Seiten werden persönlich ("Lügner", "du hast keine Ahnung"); der Da'i verwendet abwertende Formulierungen über den christlichen Gottesbegriff.

Die Lehre daraus, die die Wiki festhält:

Sobald Polemik statt Textbeleg kommt, verliert das Gespräch seinen Wert — auch wenn die Sachforderung ("bring den Beleg") berechtigt ist.Gesprächsführung

ARG-NUMBERS31-TU-QUOQUE ●○○ · ARG-DEUT25-11 ●○○#

Beide sind wirksame Beweislastumkehrungen, aber keine inhaltlichen Antworten: - Num 31,17-18 (Midianiterinnen) — "Ist das Jesus?" (weil der Christ zuvor gesagt hatte, Jesus habe das AT inspiriert) → "Dann fällt dein Argument zusammen." - Dtn 25,11-12 (der Frau die Hand abhacken) — mit einem sorgfältig aufgebauten moralischen Gedankenexperiment eingeleitet.

In der Wiki als Argumenttyp kennzeichnen, nicht als Lösung. Sie verlagern das Thema. → Video 16 [19:42] · Video 68 [03:53]


Verwandte Seiten#

F11 — War Muhammad ein Prophet? · A10 — Moral, Heil und Jenseits · Gesprächsführung · Schwache Argumente — nicht verwenden · Offene Baustellen