Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

MUSLIM will CHRISTEN im PARADIES sehen 1/2

Videonotiz 24 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.

Länge25:17
Gegenüberjunge Christin (Sina) und Begleitung, freikirchlich/erlebnisorientiert, sehr sympathisch argumentierend
RelevanzMAXIMAL
Themenkenosis, inkarnation-als-liebesbeweis, trinitaets-analogien, ei-analogie, sonne-analogie, willenskonflikt, dtn30-11, verlorene-schafe-israels, paulus-vs-jesus, schema

Setting#

Teil 1 von 2. Eine junge Christin ("Sina") vertritt die Inkarnation vor allem als Liebes- und Nähe-Argument: Gott macht sich klein, um zu erfahren, wie Menschsein ist. Warmherziges, sehr gutes Gespräch. Enthält die systematischste Widerlegung der Trinitäts-Analogien im Korpus.

Argumentkette#

Die christliche These: Gott wird klein, um zu erfahren [00:27]–[01:45]#

Christin: "In all meiner Macht komme ich und lerne, was es heißt, so begrenzt zu sein wie ihr Menschen — damit ich barmherzig sein darf mit euch, weil ich diese Erfahrung gemacht habe." "Es ist sehr menschlich, zu denken: wie kann ein so großer Gott sich so klein machen? Und es ist sehr göttlich, zu sagen: ich werde freiwillig so klein, obwohl ich das gar nicht nötig habe." "Wem fühlst du dich näher: einem Gott, der irgendwo weg ist und allmächtig ist — oder einem Gott, der sagt: ich weiß, wie es ist zu leiden?"

ARG-GOD-NEED-NOT-EXPERIENCE — Der direkte Konter [01:18] / [13:29]#

"Denkst du, ein allmächtiger Gott muss etwas selbst erfahren, um zu wissen, wie es den Menschen geht? Wenn er allmächtig ist, dann muss er nicht selbst erfahren, wie es ist, dass Menschen Leid anrichten, dass sie Schmerz fühlen — er weiß es." "Wenn er, bevor er auf die Welt kam, allwissend ist, dann weiß er das, ohne es erfahren zu müssen." Und die Konsequenz: "Das würde seine perfekten Eigenschaften kompromittieren."

ARG-EGG-ANALOGY-FAILS — Die Ei-Analogie [03:29]–[03:55]#

Christin: Eischale, Eigelb, Eiweiß = ein Ei. Widerlegung:

"Schöne Analogie, aber sie hinkt. Du würdest niemals sagen: die Eischale allein ist vollkommen Ei. Genau das aber glauben Christen von Jesus: dass Jesus vollkommen Gott ist. Das Ei ist erst dann vollkommen Ei, wenn alle drei zusammen harmonieren." → Die Ei-Analogie ist theologisch Partialismus (eine verurteilte Häresie).

ARG-SUN-ANALOGY-FAILS — Die Sonnen-Analogie [03:03]–[03:29]#

Christin: Sonne, Wärme, Strahlen, Licht. Widerlegung: "Du würdest nicht sagen, dass die Strahlen vollkommen Sonne sind — aber beim Sohn sagst du: er ist vollkommen Gott."

(Zusammen mit der Wasser-Analogie aus Video 15 ergibt das ein vollständiges Set: Wasser = Modalismus, Ei/Sonne = Partialismus. Beide sind nach kirchlicher Lehre selbst häretisch — die Wiki sollte diese drei Widerlegungen auf einer Seite bündeln.)

ARG-WILL-CONFLICT — Das Willenskonflikt-Trilemma [04:21]#

Ein sehr sauber konstruiertes Argument:

"Was ist, wenn der Vater etwas möchte, was dem Sohn zuwider ist? Der Vater möchte einen Felsen bewegen, der Sohn möchte diesen Felsen nicht bewegen. Zu was führt das? Es gibt drei Möglichkeiten: 1. Entweder bezwingt der eine den anderen — dann können wir nicht sagen, dass beide vollkommen Gott und allmächtig sind; 2. oder sie gleichen sich aus und der Felsen bewegt sich in gar keine Richtung — dann ist keiner allmächtig; 3. [implizit: oder sie können gar nicht verschieden wollen — dann sind es keine unterscheidbaren Personen]."

ARG-KENOSIS-EMPTIES-DIVINITY — Das Kenosis-Dilemma [05:39]–[07:26]#

Die Christin lässt sich Schritt für Schritt in die Kenosis-Position treiben ("er hat gesagt: ich lege meine göttlichen Eigenschaften ab").

"Also war er leer von göttlichen Eigenschaften? Er war nur Mensch?" "Was an ihm war dann noch göttlich?" "Dann bete ich einen Menschen an, leer von göttlichen Eigenschaften. Da kann ich ja gleich irgendeinen Menschen hier anbeten, der Gutes tut."

Die Anschlussfrage (schwer zu beantworten): "Wie hat er dann als reiner Mensch, ohne göttliche Eigenschaften, diese göttlichen Eigenschaften wieder angeeignet?" [07:26] Christin: nach der Auferstehung. → "Aber wie hat er sie erlangt?"

ARG-PERFECT-CANNOT-CHANGE — Das iPhone-Argument [11:20]–[12:12]#

"Wenn ich dir sage, dieses Smartphone ist ein perfektes Smartphone — es gibt keinen Raum mehr nach oben — kann man dann sagen, dass es sich noch verändern und besser werden kann?" Christin (bemerkenswert konsequent): "Nach meiner Logik würde das iPhone jetzt sagen: ich werde freiwillig ein Nokia von vor 25 Jahren." "Okay, dann ist es aber nicht mehr perfekt." Christin: "Das ist ja ein Teil des Perfekten daran, dass es in der Lage ist, sich für uns unperfekt zu machen." Grundsatzeinwand: "Sobald Gott einer Veränderung in seinem Wesen ausgesetzt ist — wie kann es dann sein, dass wir noch von Allmacht sprechen?" [10:28]

ARG-AM-I-YOUR-GOD — Das Gedankenexperiment (Rahmenzitat) [00:02] / [14:21]#

"Woher wisst ihr, dass ich nicht euer Gott bin?" → "Ich weiß, dass du nicht mein Gott bist." → "Zeig es mir. Also besteht theoretisch die Möglichkeit, dass ich euer Gott bin?" → "Nee." → "Warum nicht?" → "Weil du ein Mensch bist."

Die Pointe:

"Das ist sehr intuitiv gekommen … Aber intuitiv weißt du: ich bin nicht Gott, weil ich in einer Lokalität bin, beschränkt bin mit meinen Eigenschaften, Mangel habe genauso wie ihr, Schwächen habe genauso wie ihr — und ihr würdet nie auf die Idee kommen, mich anzubeten." "Wie vereinbarst du das damit, dass du sagst: vor 2000 Jahren lebte ein Mensch, der Gott ist, und den bete ich an?"

(Vollständigere Fassung dieses Gedankenexperiments: Video 34.)

ARG-JESUS-NEEDED-WORSHIP [15:13]#

"Ich selber brauche Anbetung. Jesus selbst hat Anbetung gebraucht — im Gebet von Gethsemane, wo er mit dem Angesicht zu Boden ging und sagte: Oh Vater, gehe dieser Kelch an mir vorbei. Also er selbst hat Anbetung benötigt."

Die Eigenschaftsliste (kompakt) [15:41]–[16:32]#

  • Er wusste nicht, wann der jüngste Tag ist ("es wissen weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern der Vater allein — zu dem er auch gebetet hat").
  • Er wusste nicht, dass der Feigenbaum keine Früchte trägt.
  • Er ist an Weisheit gewachsen.
  • Er musste essen.

    "Er ist selbst jemand, der all dies benötigte. Warum soll ich ihn dann anbeten? Ich kann ihm folgen. Als Muslime folgen wir Jesus."

ARG-LOST-SHEEP-OF-ISRAEL — Die begrenzte Mission [17:23]–[18:39]#

"Er sagt selber: ich bin nur gekommen für die verlorenen Schafe von Israel (Mt 15,24). Und an einer anderen Stelle sagt er zu seinen Jüngern: geht nicht zu den Heiden (Mt 10,5-6) — weil das nicht seine Mission war." Christin verweist auf Paulus (die Seinen haben ihn abgelehnt). "Ja, das verstehe ich — dass Paulus Jesus widerspricht. Das ist ziemlich offensichtlich."

Zusatz: Zur Ausbreitung des Christentums — "das ist auch nur wegen Konstantin, dem Herrscher, der das römische Reich zum Christentum konvertiert hat." [17:23]

ARG-FAILED-PROJECT [16:58]–[19:30]#

"Im Christentum glaubt ihr, dass Gott vor 2000 Jahren diesen roten Faden, wie er sich immer offenbart hat — nämlich durch Propheten — unterbrochen hat." "Jesus hat es selber nicht geschafft, die Pharisäer zu überzeugen." "Deswegen haben die Pharisäer gesagt: wieso machst du dich zu Gott? Weil Gott nie auf die Erde gekommen ist und das auch nie geplant hat. Ist es dann noch ein Wunder, dass die Pharisäer sagen: wir leugnen dich?"

ARG-DEUT30-11 — Die Schlüsselstelle, vollständig verlesen [21:15]–[22:33]#

Die Christin argumentiert: Gott gab das Gesetz, damit die Menschen merken, dass sie es nicht halten können ("ich gebe euch den Weg der Selbstgerechtigkeit und die Menschen merken: ich kriege es nicht hin").

Der Da'i lässt sie Deuteronomium 30,11-14 selbst vorlesen:

"Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht irgendwo im Himmel … es ist auch nicht jenseits des Meeres … Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen. DU KANNST ES HALTEN."

"Es widerspricht dieser Auslegung, dass man sagt, sie waren nicht in der Lage, es zu halten. Wenn Gott schon sagt: du kannst es halten — dann können wir nicht kommen und sagen: sie waren nicht in der Lage dazu."

→ Das ist der stärkste alttestamentliche Konter gegen die Erbsünden-/Gesetzesunfähigkeits-Lehre im gesamten Korpus.

ARG-SHEMA-CONTINUITY + Sure 112 [24:18]–[24:45]#

"Moses sagt: Schemaʿ Jisrael, Adonai Elohenu, Adonai echad — höre Israel, unser Herr ist ein einziger Herr. Jesus wiederholt dasselbe, als er von den Schriftgelehrten gefragt wird, was das erste Gebot ist [Mk 12,29]. Der Prophet Muhammad wiederholt exakt dasselbe in Kapitel 112: Er ist ein einziger Allah, der Absolute, von dem alles abhängt."

Wichtige Klarstellung zu den Prophetengesetzen: "Moses hat beispielsweise den Sabbat halten müssen. Wir glauben, das wurde später abrogiert.Aber ihre Kernbotschaft war immer dieselbe."

Die Motivation des Da'i [21:41] / [23:25]#

Auf die Frage, warum er sich so viel Mühe macht:

"Ich möchte nicht, dass Menschen in das Höllenfeuer kommen. Ich möchte mit den Menschen Hand in Hand ins Paradies gehen." "Menschen sind sehr abgelenkt im Leben und stellen sich diese großen Fragen nicht … viele gehen nicht aus der Komfortzone heraus und geben sich mit dem Elternhaus zufrieden, wo sie aufgewachsen sind. Das war bei mir nicht anders vor 12 Jahren." "Beim Islam habe ich mich zu Hause gefühlt, weil es nicht nur das Spirituelle erfüllt, sondern auch intellektuell Sinn macht. Und wenn man diese Harmonie hat zwischen dem Intellekt und dem Herzen, dann hat man die perfekte Kombination aus beidem."

Die Schlussherausforderung [25:10]#

"Wie machst du aus diesen drei 'ist Gott'-Aussagen eine 'ist Gott'-Aussage? Wenn du das hinbekommst, nehme ich heute das Christentum an."

Bibelstellen#

Stelle Verwendung Zeit
Mk 13,32 Sohn kennt den Tag nicht [16:07]
Mt 21 (Feigenbaum) Unwissenheit [16:07]
Lk 2,52 wächst an Weisheit [16:07]
Mt 26,39 (Gethsemane) Jesus betet/braucht Anbetung [15:13]
Mt 15,24 ("verlorene Schafe Israels") begrenzte Mission [17:49]
Mt 10,5-6 ("geht nicht zu den Heiden") begrenzte Mission [18:39]
Mt 22,37 / Mk 12,30 Gott mit dem Verstand lieben [08:43]
Dtn 30,11-14 "Du kannst es halten" [21:41]
Dtn 6,4 / Mk 12,29 (Schema) durchgehende Kernbotschaft [24:18]
Sure 112 (al-Ichlāṣ) Parallele zum Schema [24:45]

Offene Punkte / Schwächen#

  • Die Christin bringt mit dem Erfahrungs-/Nähe-Argument ("ein Gott, der weiß, wie es ist, schwach zu sein") einen emotional starken Punkt, der argumentativ nur teilweise beantwortet wird — die Wiki sollte die Antwort ausarbeiten (Gottes Barmherzigkeit im Islam ist nicht auf Miterfahrung angewiesen; vgl. ar-Raḥmān/ar-Raḥīm).
  • Das Willenskonflikt-Trilemma ist neu und stark; die christliche Antwort (ein Wille pro Natur, zwei Naturen — Konzil von Konstantinopel III gegen den Monotheletismus) fehlt und sollte ergänzt werden.
  • "Paulus widerspricht Jesus" wird behauptet, nicht belegt.
  • Die Fortsetzung (Video 23) sollte zusammen gelesen werden.