Jesus & die Trinität Nachschlagewerk

Christ debattiert mit einem Muslim | Dialog #40

Videonotiz 45 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.

Länge21:37
Gegenüberchristlicher Gesprächspartner (Straßenstand-Setting, mehrere Beteiligte)
RelevanzSEHR HOCH
Themenehebrecherin, suendenvergebung, thomas, kyrios, joh14-6, joh17-3, ego-eimi, exklusivitaetsattribute, vaterunser, gethsemane

Zum Transkript: Transkript stark fehlerhaft (Gegenrede oft nicht erfasst). Zitate sinngemäß.

Argumentkette#

ARG-FIRST-STONE — Die Ehebrecherin, umgedreht [00:58]–[03:38]#

Der Christ führt die Perikope (Joh 8) als Beispiel für Jesu Sündenvergebung an. Erste Präzisierung: "Er hat aber keine Sünde vergeben. Es wurde nur gesagt: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Dann die Umkehrung (originell):

"Die Pharisäer sind zu Jesus gekommen — nicht zu seinen Jüngern. Die Anfrage ging an Jesus: 'Wenn du behauptest, die Gebote zu halten, dann musst du sie steinigen.'" "Meine Frage ist: Wenn Jesus sündlos war — und wir glauben, dass Jesus sündlos war — warum hat er dann den ersten Stein nicht geworfen?" (Zur Textkritik dieser Stelle — sie fehlt in den ältesten Handschriften — siehe Video 20.)

ARG-FORGIVENESS-IS-PASSIVE + ARG-TEN-PROMISED-PARADISE [05:23]–[06:16]#

"Es ist ein großer Unterschied, ob jemand sagt: 'Deine Sünden sind vergeben' — das ist, was Jesus gesagt hat. Er hat nicht gesagt: 'Ich vergebe dir deine Sünden.' Das könnte genauso eine Offenbarung vom Vater sein: Der Vater hat dem Sohn offenbart, dass die Sünden jener Person vergeben wurden. Das heißt, er hat nicht in Anspruch genommen, Sünden zu vergeben."

Die Parallele aus der prophetischen Tradition (sehr wirksam):

"Der Prophet Muhammad hat gesagt: Zehn Personen kommen ins Paradies — sie haben ein Freifahrtticket. Wer kann das Paradies vergeben? Nur Gott. Aber der Prophet Muhammad hat nicht in Anspruch genommen, dass er jetzt Gott ist — es war eine Offenbarung. Und an den Stellen, wo Jesus sagt 'deine Sünden sind vergeben', sagen wir: das ist auch eine Offenbarung vom Vater." (Gemeint sind die al-ʿaschara al-mubaschscharūn bi-l-dschanna.)

ARG-NO-EXCLUSIVE-ATTRIBUTE — Die systematische Antwort (Kernstück) [08:32]–[09:53]#

"Im Gespräch mit Christen finde ich das immer sehr interessant: Christen versuchen, auf Jesus immer diesen Exklusivitätsanspruch zu projizieren." | Behauptung | Widerlegung | |-----------|-------------| | "Jesus war sündlos, deswegen ist er Gott" | Sündlosigkeit gilt islamisch für alle Propheten | | "Jesus hat Wunder vollbracht, deswegen ist er Gott" | "Wunder hat doch Moses vollbracht." | | "Jesus hat Sünden vergeben, deswegen ist er Gott" | siehe oben: passivum divinum | | "Jesus ist auferstanden, deswegen ist er Gott" | "Auferstanden ist auch Lazarus. Und wir alle werden sterben und irgendwann auferstehen — aber wir werden nicht zu Göttern." |

"All das sind keine Attribute, die wir nur Gott zuschreiben können."

→ Das ist die kompakteste Fassung der methodischen Grundregel: Ein Gottheitsbeweis braucht ein exklusives Attribut. (vgl. ARG-WHAT-MAKES-HIM-UNIQUE in Video 33)

ARG-KYRIOS-THREE-MEANINGS — Thomas [07:13]–[08:32]#

Zunächst grundsätzlich: "Dass jemand angebetet wird, erhebt diese Person nicht zu einem Gott. Satan wird genauso angebetet — kein Christ kommt und sagt: also ist Satan Gott."

Dann sprachlich:

"Kyrios [Herr] hat im Griechischen drei Bedeutungen: der Sklave zu seinem Meister, der Arbeitnehmer zu seinem Arbeitgeber, und der Schüler zu seinem Lehrer." "Thomas hätte genauso 'mein Herr' zu Jesus sagen können und mit 'mein Gott' schließlich Gott dem Vater danken. Wir haben keine Videoaufzeichnungen von dieser Situation."

ARG-JOHN14-6-WAY — "Niemand kommt zum Vater außer durch mich" [10:53]–[12:11]#

Die entscheidende Rückfrage:

"Wie sind dann die Menschen zum Vater gelangt, bevor Jesus da war? Welche Kriterien musste Moses erfüllen, wenn er Jesus nie getroffen hat?" "Dieser Vers war ja nicht existent zur Zeit von Moses, zur Zeit von Abraham, zur Zeit von Noah." Die Deutung: "Jesus ist der Weg zu Gott, nicht das Ziel. Er sagt: ich bin der Weg zu Gott — aber nicht das Ziel. Das Ziel ist der allmächtige Gott, der Vater." "Deswegen sagen wir: Jesus war der Weg — der ultimative Weg für die Menschen zu jener Zeit. Das bestätigen wir auch: damals konnte niemand zum Vater außer durch Jesus."

ARG-JOHN17-3 [09:53]–[10:18] / [17:09]#

"Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den einzig wahren Gott, erkennen — und Jesus Christus, den du gesandt hast." Der grammatische Punkt: "Dieses und ist ein Separieren." — Der Vater wird als einzig wahrer Gott bezeichnet, Jesus separat als Gesandter. "Warum nimmt man nicht einfach diesen Vers?"

ARG-EGO-EIMI [15:49]–[16:43]#

"'Ich bin' ist kein vollständiger Satz. Warum sagt Jesus den Satz nicht zu Ende und sagt: 'Ich bin Gott'? Dann hätten wir diese Diskussion überhaupt nicht." "Das ist nicht derselbe Wortlaut wie im Alten Testament. Deswegen sagen viele neutestamentliche Gelehrte, dass es in diesem Vers nicht 'ich bin' heißt, sondern 'ich werde sein'." (Bezug auf ehyeh in Ex 3,14)

ARG-OT-CLARITY-VS-NT-AMBIGUITY — Das strukturelle Argument [13:30]–[15:21]#

"Im Alten Testament äußert sich Gott so klar: er ist der einzige wahre Gott, es gibt keinen Gott außer ihm — 'Höre Israel, unser Herr ist ein einziger Herr.'" "Und plötzlich hat dieser Gott im Neuen Testament keine Möglichkeit mehr, sich so klar zu äußern? Christen versuchen, aus mehrdeutigen Versen die Göttlichkeit auf Jesus zu projizieren — obwohl es klar dargelegt werden sollte." "Wenn ich ein Buch offenbaren möchte, dann sollte klar sein, wer Gott ist." Und der Musterbruch: "Abraham kommt mit reinem Monotheismus. Moses kommt mit derselben Botschaft. Muhammad kommt mit derselben Botschaft. Aber dann haben wir plötzlich einen Bruch in diesem Muster, wo Gott sich abrupt in einer Trinität offenbart. Ich sehe keinen Sinn darin." Nebenbemerkung: "Im Alten Testament macht Gott Moses zum Elohim für den Pharao" [14:21] (Schaliach-Prinzip, vgl. Video 28).

ARG-WOULD-NOT-WORSHIP-A-PRAYING-MAN — Das Rahmenbild [00:02] / [19:58]#

"Jesus betet zum Vater: 'Gehe dieser Kelch an mir vorbei — nicht wie ich will, sondern wie du willst.'" "Wenn ich Jesus sehen würde, wie er den Vater anbetet und mit dem Angesicht zu Boden geht — ich würde nicht ihn anbeten. Ich würde mit ihm den Gott anbeten, den er anbetet." Und das Vaterunser: "Jesus verweist in dem Gebet, das er lehrt, stets auf den Vater — nicht auf sich selbst." [19:32]

Die positive Christologie (Zusammenfassung) [17:09]–[17:35]#

"Wir glauben: er ist der Messias, von der Jungfrau geboren, ein Gesandter Gottes, ein Prophet Gottes, mit Wundern gekommen; Gott hat ihn mit dem Indschīl geschmückt, mit einer Offenbarung, mit einer barmherzigen Mutter, die ihn beschützt hat; der das Gebet verrichtet hat, der gesegnet war am Tag, an dem er geboren wurde, und gesegnet sein wird am Tag, an dem er sterben wird. Das ist der Sohn Marias." (nach Sure 19,30-34)

Zur Sündenlehre am Rande [03:38]–[04:58]#

"Im Islam gibt es bestimmte Stufen von Sünden — nicht alle Sünden sind gleich." "Der Tod an sich ist keine Bestrafung. Die Definition von Tod ist die Trennung der Seele vom Körper — und dann beginnt das Jenseits, und da wird man gerichtet."

Bibelstellen#

Stelle Verwendung Zeit
Joh 8,7 (erster Stein) Warum wirft der Sündlose nicht? [00:58]
Mk 2,5 (passivum divinum) "sind vergeben", nicht "ich vergebe" [05:23]
Joh 20,28 (Thomas) Kyrios-Semantik [07:40]
Joh 14,6 Weg, nicht Ziel [10:53]
Joh 17,3 "und" separiert [09:53]
Joh 8,58 (egō eimi) unvollständiger Satz; ehyeh ≠ egō eimi [15:49]
Ex 7,1 (Mose als Elohim) Schaliach [14:21]
Dtn 6,4 (Schema) Klarheit des AT [13:55]
Mt 6 (Vaterunser), Mt 26,39 (Gethsemane) Jesus betet zum Vater [19:32]
Sure 19,30-34 koranische Christologie [17:09]

Offene Punkte / Schwächen#

  • Transkript stark beschädigt (die christlichen Gegenreden fehlen fast durchgängig) → für die Wiki nur die muslimischen Argumentlinien verwendbar.
  • ARG-NO-EXCLUSIVE-ATTRIBUTE ist die systematisch wertvollste Passage und gehört als eigenes Wiki-Kapitel ("Welche Eigenschaft wäre ein Gottheitsbeweis?").
  • Die Behauptung, "viele neutestamentliche Gelehrte" läsen Joh 8,58 als "ich werde sein", ist zu unspezifisch und sollte belegt oder abgeschwächt werden.