Jesus hatte Speisen zu sich genommen… | Dialog #34
Videonotiz 51 — Zeitmarken beziehen sich auf die Originalaufnahme.
Zum Transkript: Automatische Untertitel stark fehlerhaft; Zitate sinngemäß.
Argumentkette#
ARG-SURA5-75 — Der koranische Einstieg [00:27]–[01:22]#
"Gott sagt im Koran, Sure 5, Vers 75: 'Der Messias, der Sohn Marias, war nur ein Gesandter … und seine Mutter war eine Wahrhaftige. Beide pflegten Speisen zu sich zu nehmen.'" "Ein bezaubernder Vers — sehr tiefgründig. Wenn wir sagen, dass Jesus Gott ist, dann muss man akzeptieren, dass Gott Speise zu sich genommen hat. Und jeder, der Speise zu sich nimmt, muss das auch ausscheiden. Und wer Speise zu sich nimmt, ist auch abhängig."
→ Der Vers gilt in der islamischen Tradition als knappste Widerlegung der Gottheit Jesu: Essen impliziert Bedürftigkeit, Bedürftigkeit schließt Göttlichkeit aus.
ARG-FIG-TREE — Der doppelte Widerspruch [01:22]–[02:15]#
"Markus 11: Jesus hat mit seinen Jüngern Hunger, geht zum Feigenbaum, und als er ankommt, sieht er, dass der Baum keine Früchte trägt — weil die Jahreszeit nicht dafür war. Und dann verflucht er diesen Baum, den er selbst erschaffen hat." Drei Punkte in einem: (1) "Welchen Sinn ergibt es, dass Jesus als Gott hungert?" (2) "dass er nicht weiß, dass dieser Baum Früchte trägt?" (3) "dass er den Baum verflucht, obwohl er ihn erschaffen hat?"
ARG-HYPOSTATIC-UNION-FORBIDS-SPLITTING — Der dogmatische Kernzug [03:35]–[05:26]#
Der Christ antwortet wie erwartet: "Das war seine menschliche Natur."
"Kennt ihr die hypostatische Union? Die hypostatische Union besagt laut christlicher Lehre, dass man die menschliche und die göttliche Natur Jesu NICHT trennen darf. Man kann nicht bei einem Szenario sagen: das war seine menschliche Natur — und bei einem anderen: das war seine göttliche." "Das kommt bei Christen oft vor: Jedes Mal, wenn man das Christentum dekonstruiert, kommt die Antwort: das war seine menschliche Natur." "Laut christlicher Lehre ist es nicht erlaubt, diese zwei Naturen zu trennen. Wenn man das macht, ist das per se Häresie — so etwas wie Blasphemie." Die Konsequenz: "Da muss man konsequent bleiben. Und wenn man sagt, Jesus ist Gott, dann muss man sagen: okay, er war ein nicht-allwissender Gott."
(Dasselbe Argument, dogmatisch noch schärfer, in Video 39 und Video 13.)
ARG-MK13-32 — Die Zusatzfrage [05:26]–[06:19]#
"Jesus wird nach dem jüngsten Tag gefragt und sagt: das weiß nicht ich, das wissen nicht die Engel im Himmel — er exkludiert hier sogar den Heiligen Geist — das weiß nur der Vater." "Warum hat er das nicht gewusst? Und wenn das nur seine menschliche Natur war: warum hat seine göttliche Natur ihn nicht darüber informiert?" "Bei solchen Stellen sieht man sehr deutlich, dass es drei verschiedene Personen sind."
Und die Präzisierung, worum es geht: "Es geht um die Göttlichkeit Jesu — um die Omnipotenz, die Allwissenheit, die Allgegenwart von Jesus. Und die finden wir nicht." [06:19]
"Ich finde an keiner Stelle des Neuen Testaments — geschweige denn des Alten — eine akkurate Stelle, die keine Ambiguität zulässt, wo Jesus sagt: ich bin Gott, betet mich an."
ARG-MIRACLES-ARE-NO-PROOF + ARG-ADAM-GREATER-MIRACLE [08:03]–[09:22]#
Der Christ verweist auf die Wunder.
"Viele davon akzeptieren wir als Muslime — aber das ist keine Untermauerung seiner Göttlichkeit." "Wenn man sagt: Jesus ist Gott, weil er Wunder vollbracht hat — dann müsste man konsequenterweise auch sagen: Moses ist Gott, weil er das Meer geteilt hat."
Das Adam-Argument (koranisch, sehr elegant):
"Es gibt dieses Gleichnis im Koran: Adam — weil er weder Vater noch Mutter hatte. Jesus hatte nur keinen Vater. Adam hatte weder Mutter noch Vater." (vgl. Sure 3,59: "Das Gleichnis Jesu ist bei Allah wie das Gleichnis Adams") Der Schluss: "Ein Wunder ist nicht dazu da, dass man seine Göttlichkeit beweist, sondern ein Wunder ist dazu da, den Menschen zu zeigen: hey, ich bin von Gott geschickt worden."
ARG-SON-OF-GOD-MT5-9 — Die Definition aus der Bibel selbst [09:22]–[10:43]#
"Was ist die Definition des Terminus 'Sohn Gottes'?" Der Christ liefert sie selbst: "Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen" (Mt 5,9). "Das heißt, die Definition von einem Sohn Gottes ist jemand, der Frieden auf der Erde stiftet. Damit haben wir kein Problem." "Wir sagen: Sohn Gottes ist jemand, der von Gott geschickt wird und die Botschaft verbreitet — aber er selbst hat keine Göttlichkeit." "Wenn 'Sohn Gottes' bedeuten würde, dass Jesus göttlich ist, dann müsste man konsequenterweise sagen, dass auch Israel Sohn Gottes ist, David Sohn Gottes ist, Adam in Lukas als Sohn Gottes beschrieben wird."
Warum der Begriff dennoch vermieden wird:
"Wir haben ein Problem mit dem Begriff, weil er eine Konnotation hat, die zu Missverständnissen führen kann: Plötzlich hat man einen Vater, plötzlich hat man Söhne, Töchter, Onkel, Tanten — als wäre es eine Familie." Klarstellung, was nicht unterstellt wird: "Ich sage nicht, dass Gott der Vater einen geschlechtlichen Akt mit Maria gehabt hat. Ich glaube, da gibt es auch keine christliche Kirche, die das behauptet."
ARG-USE-JESUS-OWN-TERM — Das methodische Fazit [11:37]–[12:32]#
"Deswegen verwenden wir den Begriff, den Jesus selbst verwendet hat — den Begriff, den Moses verwendet hat: Gesandter, Prophet." "Das ist es, was wir machen: Wir legen keine Wörter in den Mund von Jesus, sondern wir hören, was Jesus sagt, wir hören, was Moses sagt — und darauf bauen wir unseren Glauben."
Belegstellen, die er nennt: "Ich bin gekommen, um den Willen meines Vaters umzusetzen, nicht meinen eigenen Willen" und "Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater" (Joh 20,17) — "das heißt, er macht hier immer eine Unterscheidung."
Bibel-/Koranstellen#
| Stelle | Verwendung | Zeit |
|---|---|---|
| Sure 5,75 | "Beide pflegten Speisen zu sich zu nehmen" | [00:27] |
| Sure 3,59 (Gleichnis Adams) | Adam ist das größere Wunder | [08:56] |
| Mk 11 (Feigenbaum) | Hunger + Unwissenheit + Fluch | [01:22] |
| Mk 13,32 | Sohn kennt den Tag nicht | [05:26] |
| Mt 5,9 | "Söhne Gottes" = Friedensstifter | [09:50] |
| Lk 3,38 (Adam), Ex 4,22 (Israel), Ps 2,7 (David) | Titel ist nicht exklusiv | [10:43] |
| Joh 5,30 / Joh 20,17 | Unterscheidung Jesus–Vater | [07:11] |
| Chalcedon (hypostatische Union) | verbietet das Aufteilen der Naturen | [04:03] |
Offene Punkte / Schwächen#
- ARG-HYPOSTATIC-UNION-FORBIDS-SPLITTING ist das zentrale Argument, aber theologisch präzisierungsbedürftig: Chalcedon verbietet die Vermischung und Trennung der Naturen, erlaubt aber sehr wohl, Aussagen nach der jeweiligen Natur zu unterscheiden (communicatio idiomatum). Die Wiki muss diese Unterscheidung darstellen und dann die Rückfrage stellen, ob eine solche Aufteilung nicht faktisch doch eine Trennung ist.
- Mt 5,9 als Definition von "Sohn Gottes" ist ein schöner Fund, weil der Gesprächspartner ihn selbst liefert. Für die Wiki mit den weiteren "Sohn"-Stellen bündeln.
- Sure 5,75 gehört zusammen mit Sure 5,17 und 5,72-73 als koranische Kernstelle zur Christologie behandelt.